{"id":1621,"date":"2010-03-04T21:53:32","date_gmt":"2010-03-04T20:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/192.168.10.121\/wordpress\/?p=1621"},"modified":"2013-08-29T19:05:51","modified_gmt":"2013-08-29T18:05:51","slug":"piratez-moi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sci-fy.de\/wordpress\/piratez-moi\/","title":{"rendered":"&#8222;Piratez-moi!&#8220;"},"content":{"rendered":"<h3>Der franz\u00f6sische Synthesizer-Magier Jean Michel Jarre provozierte 1983 die Content-Industrie<\/h3>\n<p>Auf seiner ersten eigentlichen Welttournee macht der neben Kraftwerk wohl einflussreichste Elektro-Avantgardist <a href=\"http:\/\/www.jeanmicheljarre.com\/media\/biography\" target=\"_blank\"> Jean Michel Jarre<\/a> (1) derzeit in Deutschland Station. Der vision\u00e4re wie kommerziell erfolgreiche Musiker setzte in den 80er Jahren nicht nur Ma\u00dfst\u00e4be im <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=m3S2BOpPsVU\" target=\"_blank\"> Open Air-Bereich<\/a> (2), sondern stellte 1983 auch den Kommerz der Musikindustrie k\u00fcnstlerisch infrage.<\/p>\n<p>Nachdem Jarre Anfang der 80er Jahre mit &#8222;Oxyg\u00e8ne&#8220; das bis dahin meistverkaufte franz\u00f6sische Album vorgelegt hatte, baten befreundete K\u00fcnstler den Star um die Komposition von Hintergrundmusik f\u00fcr ein Kunstprojekt. Triviale Gegenst\u00e4nde des Alltags sollten als Kunst inszeniert werden. Der erfolgsverw\u00f6hnte K\u00fcnstler, der gerade in China gigantische Open-Air-Konzerte gegeben hatte, kam w\u00e4hrend des Komponierens auf die Idee, nun <!--more-->im Gegenteil zu minimalisieren und seine Musik nicht \u00fcber Massenverk\u00e4ufe zu vermarkten (was gerade zu einem Supermarkt besonders gut gepasst h\u00e4tte), sondern <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7R0Rfj3RsLs&amp;feature=player_embedded\" target=\"_self\"> wie Bildende Kunst zu positionieren<\/a> (3). Von seiner aktuellen Komposition sollte nur eine einzige Platte gepresst und wie ein wertvolles Gem\u00e4lde auf einer Kunstauktion versteigert werden. In einer Zeit, in der alles standardisiert und kommerzialisiert sei, solle die Aktion bewusst ein Zeichen setzen und die Einmaligkeit eines Werkes demonstrieren. Die Plattenfirma war \u00fcber diesen ungew\u00f6hnlichen Vertriebsweg alles andere als begeistert, doch der eigensinnige Jarre lie\u00df sich davon <a href=\"http:\/\/www.essentialpublications.co.uk\/destination_jarre\/dj09_article1.htm\" target=\"_blank\"> erst recht nicht beirren<\/a> (4).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1623\" title=\"32182_1\" src=\"\/\/192.168.10.121\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/32182_11.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/sci-fy.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/32182_11.jpg 350w, https:\/\/sci-fy.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/32182_11-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<h6>\ufeffJean Michel Jarres Instrument ARP 2600. Foto: <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Steve_Fisk%27s_ARP_2600.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"lightbox[1621]\"> Joe Mabel<\/a> (5). Lizenz: <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\" target=\"_blank\"> CC-BY-SA<\/a> (6)<\/h6>\n<p>Im Presswerk \u00fcberwachte eigens ein Komitee die Herstellung einer einzigen Kopie der Langspielplatte. Anschlie\u00dfend wurde alle f\u00fcr die Herstellung erforderlichen Aufzeichnungen unter notarieller Aufsicht zerst\u00f6rt &#8211; au\u00dfer dem Master. Auch das Cover bestand aus einem von einem K\u00fcnstler gestalteten Unikat, in das <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:MPSfullview.PNG\" target=\"_blank\" rel=\"lightbox[1621]\"> elf Polaroidfotos vom Herstellungsprozess<\/a> (7) eingef\u00fcgt wurden, sowie eine Stelle f\u00fcr ein zw\u00f6lftes, das den Ersteigerer abbilden sollte. Das Master wurde im Rahmen der im Radio \u00fcbertragenen Versteigerung am 6. Juli 1983 von Jarre pers\u00f6nlich verbrannt. Die Auktion brachte einen <a href=\"http:\/\/jarreuk.info\/discography\/studio-albums\/musicforsupermarkets\" target=\"_blank\"> Erl\u00f6s von 69.000 Franc<\/a> (8), der f\u00fcr einen wohlt\u00e4tigen Zweck gespendet wurde. Der K\u00fcnstler hatte also komplett umsonst gearbeitet.<\/p>\n<p>Beim zun\u00e4chst anonym gebliebenen Erwerber handelte es sich um jemanden, der nach einem Autounfall beim Wiederaufwachen Jarres Musik im Radio geh\u00f6rt hatte. Inzwischen wurde das Exemplar jedoch wieder an Unbekannt weiterver\u00e4u\u00dfert. Als der Radiosender RTL in einer einmaligen Aktion die Platte spielte, rief Jarre demonstrativ mit den Worten &#8222;Piratez mois!&#8220; dazu auf, die Ausstrahlung mitzuschneiden. Wohl aus dieser Aktion stammt dieses <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V4JKJ5pl9cs\" target=\"_blank\"> Bootleg<\/a> (9).<\/p>\n<p>Jarres Musik war stets trotz weitgehend fehlender Texte durchaus politisch, was bei dem Sohn einer K\u00e4mpferin der franz\u00f6sischen R\u00e9sistance wohl nicht von ungef\u00e4hr kommt. In den kommunistischen L\u00e4ndern des Ostblocks war seine Musik verboten, weil man bef\u00fcrchtete, diese suggeriere Flucht, Unendlichkeit und Weltraum. Demgegen\u00fcber durfte er im kommunistischen China als erster westlicher K\u00fcnstler \u00fcberhaupt in einem Stadion ein <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8o3P56y4-cI\" target=\"_blank\"> Live-Konzert<\/a> (10) vor einer Milliarde TV-Zuschauern gegeben, bei dem er es sich nicht nehmen lie\u00df, auf chinesisch &#8222;Libert\u00e9, Egalit\u00e9, Fraternit\u00e9&#8220; <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/Stadtleben-Jean-Michel-Jarre-Pankow-Prenzlauer-Berg-Max-Schmeling-Halle;art125,3042621\" target=\"_blank\"> zu sagen<\/a> (11). Viele Chinesen sollen seine Musik tats\u00e4chlich mit Freiheit assoziiert haben. Dennoch ver\u00fcbelten ihm Kritiker seine Kooperation mit der damaligen chinesischen Staatsf\u00fchrung. Bei der Zweihundertjahrfeier der Franz\u00f6sischen Revolution beauftrage man Jarre mit einem <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Lp0zYW4soaM\" target=\"_blank\"> spektakul\u00e4ren Konzert im Stadtteil La Defense<\/a> (12). In den 90ern trat Jarre auf Einladung von Lech Wa??sa in Danzig auf. In Moskau brach er mit 3,5 Millionen Live-Zuschauern seinen Publikumsrekord. 1995 konzipierte er in Paris ein <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3RVeTAU3Epo\" target=\"_blank\"> Konzert f\u00fcr die Toleranz<\/a> (13). Jarre ist au\u00dferdem UNESCO-Sprecher und -Botschafter und tr\u00e4gt damit zur Bekanntheit zweier Schl\u00fcsselprojekte der UNO bei: <a href=\"http:\/\/www.un.org\/waterforlifedecade\/\" target=\"_blank\"> &#8222;Water For Life&#8220;<\/a> (14)und <a href=\"http:\/\/www.unesco.org\/en\/efa\/\" target=\"_blank\"> &#8222;Education For All&#8220;<\/a> (15).<\/p>\n<p>Dennoch d\u00fcrfte die Aktion eher k\u00fcnstlerische Motive gehabt haben, als dass Jarre das Programm der Piratenpartei h\u00e4tte vorwegnehmen wollen. Immerhin verkaufte der Musiker bis heute gesch\u00e4tzte 80 Millionen Tontr\u00e4ger &#8211; darunter die Alben <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OEurle2UWGc\" target=\"_blank\"> Zoolook<\/a> (16) und <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IexK5ascJ4E\" target=\"_blank\"> Rendezvous<\/a> (17) auf denen sich in den Titeln &#8222;Blah-Blah Caf\u00e9&#8220; und &#8222;Fifth Rendez-vous part 3&#8243;auch Teile der letztlich doch nicht ganz so exklusiv gebliebenen sagenumwobenen Komposition finden.<\/p>\n<pre style=\"text-align: right;\">*gefunden auf <a href=\"http:\/\/www.heise.de\" target=\"_blank\">www.heise.de<\/a>\r\n<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der franz\u00f6sische Synthesizer-Magier Jean Michel Jarre provozierte 1983 die Content-Industrie Auf seiner ersten eigentlichen Welttournee macht der neben Kraftwerk wohl einflussreichste Elektro-Avantgardist Jean Michel Jarre (1) derzeit in Deutschland Station. 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